Die thailändische Verfassung garantiert im Wesentlichen, dass die traditionell einflussreichen Kreise, dazu gehören das Militär, das Königshaus und andere Eliten, die Macht in den Händen behalten. Auch die Wahl des nächsten Regierungschefs, der nicht aus dem Kreis gewählter Abgeordneten stammen muss, ist gemäss der angenommenen Vorlage gewissermassen vorbestimmt, weil Aussenseiter (wie seinerzeit Thaksin) keine Chancen mehr haben.
 
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Verfassungsvorlage im Nordosten keine Mehrheit fand. Der Nordosten ist die Hochburg der «Rothemden», in denen Thaksin und dessen Schwester nach wie vor grossen Rückhalt geniessen. In den südlichen Provinzen ist die Verfassungsvorlage dagegen mehrheitlich angenommen worden. Dort kämpfen aber Separatisten um Autonomie und um einen eigenen Staat.
 
Rechnet man die landesweit geringe Stimmbeteiligung hinzu, die als Ausdruck des Protests interpretiert werden muss, zeigt sich, dass die neu ausgearbeitete Verfassung – die zwanzigste seit dem Übergang zur konstitutionellen Monarchie von 1932 – tatsächlich nur geringen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Die Stimmbeteiligung wird offiziell mit 58 Prozent angegeben; die Zahl wird indessen von verschiedenen Seiten angezweifelt.
 
Konflikte nur eingefroren
 
Die Anschläge rufen auf jeden Fall in Erinnerung, dass die Probleme Thailands nicht gelöst sind. Weder im Norden noch im Süden: Die Spaltung der Gesellschaft, die durch die grossen Einkommensunterschiede und das Machtgefälle verschärft wird, hält an. Im Urteil von politischen Beobachtern wie dem Direktor des German-Southeast Asian Center of Excellence for Public Policy and Good Governance an der Thammasat-Universität in Bangkok sind die Spannungen nur eingefroren. Im ethnisch-religiösen Konflikt im Süden, der von der wirtschaftlichen Unterentwicklung überlagert wird, wartet man seit Jahren auf Verhandlungen, in denen Malaysia sich als Vermittler versucht.
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