Japan
Abe lässt umstrittenem Kriegs-Schrein Opfergabe zukommen

(dpa) Japans rechtskonservativer Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg dem umstrittenen Kriegsschrein Yasukuni in Tokio eine Opfergabe zukommen lassen. Dort wird unter anderen auch 14 hingerichteten Kriegsverbrechern gedacht.
Im Yasukuni-Schrein wird der Seelen von in Kriegen für das Kaiserreich Gestorbenen gedacht. Ein Besuch von führenden japanischen Politikern verärgert die Nachbarländer regelmässig – vor allem Südkorea und China. Sie sehen darin eine Glorifizierung der japanischen Aggression im Zweiten Weltkrieg.
Japan gedenkt am Jahrestag der Kapitulation der etwa 3,1 Millionen gefallenen Soldaten und zivilen Opfer. Die USA hatten am 6. August 1945 eine erste Atombombe über Hiroshima und drei Tage später eine weitere auf die Stadt Nagasaki abgeworfen. Am 15. August 1945 kapitulierte Japan.

http://www.nzz.ch/international/asien-und-pazifik/japan-abe-laesst-umstrittenem-kriegs-schrein-opfergabe-zukommen-ld.110969

Minimales Wachstum

Japanische Wirtschaft kommt nicht in die Gänge

(dpa/Reuters) Das Wachstum der japanischen Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal verlangsamt. Wie die Regierung in Tokio am Montag bekanntgab, legte das Bruttoinlandprodukt der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt zwischen April und Juni um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,2% zu. Das Wachstum lag damit deutlich unter den von Analytikern prognostizierten 0,7%. Im ersten Quartal hatte der Zuwachs bei einer Jahresrate von 2,0% gelegen.

Der private Konsum, der zu rund 60% zur Wirtschaftsleistung beiträgt, sei um 0,2% gestiegen. Im Vergleich dazu hatte der Zuwachs im Quartal zwischen Januar und März bei 0,7% gelegen.

Die neuesten Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung in Japan haben den Tokioter Aktienmarkt zum Wochenbeginn belastet. Der Tokioter Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte notierte am Montag zum Mittagshandel 0,2% tiefer. Der breiter gefasste Topix fiel 0,1%.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/minimales-wachstum-japanische-wirtschaft-kommt-nicht-in-die-gaenge-ld.110970

Botschaft von Kaiser Akihito

Japan steht vor einem Epochenwandel

von Patrick Welter, Tokio8.8.2016, 20:09 Uhr
Der japanische Tenno wünscht angesichts seines Alters von 82 Jahren, die Kaiserwürde an seinen Sohn weiterzugeben. Am Montag äusserte er sich dazu in einer Botschaft ans Volk.

Sein Vater, Hirohito, hatte erst nach der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg der Göttlichkeit entsagt. Seine Regentschaft war immer von der Debatte überschattet, ob und inwieweit er den japanischen Angriffskrieg mitgetragen hatte.

Akihito dagegen kam es zu, die Institution des Kaisertums neu zu definieren. Weit unverkrampfter als Hirohito sucht er den Kontakt mit den einfachen Japanern. Er weiss, dass die Institution des Kaiserhauses in einer demokratischen Gesellschaft allein von der Zustimmung des Volkes abhängt. Das Bild seiner künftigen Regentschaft prägte er schon 1959. Als erster japanischer Kaiser heiratete er eine Bürgerliche, Michiko Shoda, die Tochter eines Unternehmers, die er auf dem Tennisplatz kennengelernt hatte.

Ein anderes Bild des Kaiserpaares definiert seine Regentschaft: der Kaiser und die Kaiserin, auf das Meer blickend und sich vor den Opfern des Zweiten Weltkriegs und der japanischen Aggression verbeugend. Diese Bilder entstanden rund um den 70. Jahrestag des Kriegsendes bei Besuchen auf Palau und in den Philippinen. Sie stehen in der Tradition des Kaisers, der die Kriegsgeschichte und japanische Greuel aufarbeiten und nicht verschweigen will. 1990 entschuldigte sich Akihito bei Korea für die Leiden, die Japan während der Kolonialisierung über das Land gebracht hatte. 1992 reiste er mit einer analogen Entschuldigung nach China.

Strenges Hofzeremoniell

Manche Beobachter wie Kingston sehen Akihito, der politisch nicht aktiv werden darf, mit kleinen Bemerkungen als Bewahrer der pazifistischen Linie und als ein Bollwerk gegen revisionistische und nationalistische Strömungen in Japan – als eine Art moralisches Gewissen der Nation. In seiner Neujahrsansprache 2015 erinnerte Akihito etwa daran, dass der Krieg mit dem Mandschurei-Zwischenfall 1931 begonnen habe. Das war der Angriff Japans auf China, und der Kaiser stellte sich damit gegen Revisionisten, die den Angriff als Verteidigung gegen westliche Aggression einstufen.

http://www.nzz.ch/international/asien-und-pazifik/epochenwechsel-in-japan-ld.109747

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