Mit dem Weltfriedenstag und dem Anti-Kriegstag gedenken wir in diesem Jahr im September dem Angriffskrieg auf Russland vor 75 Jahren und dem Beginn des Angriffskriegs auf Polen am 1. September 1939: Nie wieder! ist die Botschaft, die die UNO mit dem Weltfriedenstag sendet!

Wir haben das Glück, dass wir hier mitten in Deutschland den Gedenktag in diesem Jahr als Russen und Deutsche gemeinsam begehen können. Ein Blasmusikorchester aus der russischen Stadt Istra bei Moskau will mit uns in Deutschland  gemeinsam für den Frieden musizieren und marschieren: Vom thüringischen Treffurt über und an die ehemalige innerdeutsche Grenze bei Großburschla und dann ins hessische Wanfried.

Das Orchester aus Istra kommt seit vielen Jahren im Rahmen einer Partnerschaft der Stadt Istra mit dem hessischen Main-Kinzig-Kreis nach Deutschland. Die Besuche zeigen das inzwischen geschaffene Vertrauen der Bürger beider Länder. Und sie stehen für das Ziel. Die Spaltung Europas zu überwinden und zu einem Europäischen Haus zusammenzuwachsen. So hatte Gorbatschow das neue Ziel für die russisch-deutschen Beziehungen umschrieben und dafür die Öffnung der Grenze 1989 durchgesetzt.

Heute aber droht erneut eine tiefe die Spaltung. In West- und Osteuropa wird wieder gegeneinander aufgerüstet. Alte Feindbilder kommen wieder hoch. Die düstere Stimmung des Kalten Krieges legt sich wieder über Europa. Öffentliche Gelder und Wirtschaftskraft, die für bessere Lebensbedingungen eingesetzt werden könnten, werden wieder in die Aufrüstung gesteckt.

Die westlichen Medien und Politiker machen dafür vor allem Putin verantwortlich. Es gibt aber auch einige Stimmen, die vor allem in der Ausweitung der Nato an die russische Grenze die Ursache sehen, und Putins Politik nur als Reaktion darauf.

Sie fragen: Hatten nicht die US-Regierung und die deutsche Regierung der Sowjetunion versprochen: Wenn das vereinigten Deutschland als Ganzes Mitglied in der Nato werden kann, werden wir als Gegenleistung die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion respektieren. Wir werden die Nato nicht über Deutschland hinaus an die russische Grenze auszudehnen. 1997 aber bot die Nato auf Druck der USA und gegen den Wunsch Deutschlands osteuropäischen Ländern die Nato-Mitgliedschaft an. Russland aber, das ebenfalls Nato-Mitglied werden wollte, wurde gleichzeitig klar gemacht, dass es keine gleichberechtigte Mitgliedschaft für das Land geben werde. Gegen dieses Vorgehen protestierte nicht nur Russland! Auch in den USA warnten viele, dass dieser Bruch des Versprechens in Russland Gegenreaktionen hervorrufen muss und die Welt in den Kalten Krieg mit all seinen Risiken zurückführen wird.

Jetzt sind wir genau wieder auf diesem Weg. Wir wollen mit unserem gemeinsamen Friedensmarsch demonstrieren, dass wir Gorbatschow dankbar sind, dass Deutschland und Europa zusammenwachsen konnte. Wir wollen den Westen mahnen, auch sein Versprechen einzuhalten. Wir rufen beide Seiten auf, die sich inzwischen häufenden Konflikte friedlich zu lösen und die Aufrüstungsspirale zu stoppen: Sie hat vielen Bürgern in Russland und Deutschland schon viele persönliche Verschlechterungen gebracht. Wenn immer mehr öffentliche Gelder für die Aufrüstung genutzt werden, werden sie uns alle noch viel mehr kosten. Ganz zu schweigen, was auf uns zukommen kann, wenn die Spannungen eskalieren sollten. Im Kalten Krieg sind wir wiederholt, daran sei erinnert, nur mit Glück Atomkriegen entgangen. In dem Zusammenhang hatte John F. Kennedy erklärt: Entweder schafft die Menschheit den Krieg ab oder der Krieg wird die Menschheit abschaffen.

Friedensnobelpreisträger Willy Brandt mahnte, die Gelder nicht weiter in die Aufrüstung zu stecken, sondern die Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern und anzugleichen und so die Welt zukunftsfähig zu machen!

Dafür musizieren und marschieren wir als Russen und Deutsche am 8. September zusammen mit Menschen aller Länder: Lasst uns das nach 1989 Erreichte nicht wieder verlieren: Lasst uns gemeinsam ein Zeichen der Hoffnung geben: Gemeinsam geht Zukunft besser, in Europa und weltweit! Verbannen wir Krieg und Gewalt von der Erde, wie in der UNO-Charta beschlossen. Lernen wir weltweit solidarisch zusammenzuarbeiten als eine menschliche Familie: Damit alle Menschen menschenwürdig leben können, wie es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte schon 1948 und das deutsche Grundgesetz fordern!

Video vom Friedenskonzert vor zwei Jahren in Wanfried: https://www.youtube.com/watch?v=j8BoxVLpm_c und der Artikel in der Werra-Rundschau: http://www.werra-rundschau.de/lokales/wanfried/konzert-frieden-3868311.html.

Hier die Artikel in der Werra-Rundschau zu der geplanten Aktion:

Hintergrund:

In der Gorbatschowzeit haben wir in Bad Orb eine Partnerschaft zwischen dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Istra bei Moskau initiiert, um zu helfen, dass die Spaltung Europas überwunden wird. Wir haben dafür einen Verein, die Freundschaftsinitiative Istra gegründet und Bürger Istras einen Partnerverein in Russland. Daraus ist eine offizielle Kreispartnerschaft geworden mit vielen Bürgerbegegnungen und – treffen auf vielen Ebenen.
Alle zwei Jahre nimmt ein Blasmusikorchester aus Istra am Internationalen Blasmusikfest in Bad Orb teil. Vor zwei Jahren schlugen wir den Musikern vor, mit dem Fanfarenzug Wanfried ein Friedenskonzert zu veranstalten, um der wieder wachsenden Spaltung zwischen Russland und Westeuropa entgegenzuwirken. Die Stadt Wanfried hat die Aktion mitgetragen.
Das Orchester kommt jetzt wieder und wird am 10.+11.9. am Blasmusikfest in Bad Orb teilnehmen.
Wir haben ihm vorgeschlagen, wieder eine Friedensaktion zu machen und die russischen Musiker finden die Idee gut. Sie kommen am 7.9. nach Wanfried und werden am 9.9. morgens nach Bad Orb weiterfahren.
Am 3.9. laden wir zur Vorbereitung zu einem Workshop mit Kai Ehlers ein (http://kai-ehlers.de/), um von seinen Kenntnissen über die aktuelle Entwicklung in Russland, Europa zu profitieren, da die deutschen Medien sehr einseitig über das Geschehen berichten.
Links:
Homepage Freundschaftsinitiative Istra: http://www.istra-initiative.de/
Infos über die Stadt Istra: https://de.wikipedia.org/wiki/Istra
Infos über die Organisatoren:
Demokratische Werkstatt Wanfried: Blog: demokratischeimpulse.wordpress.de, Facebook: Demokratische Impulse
Initiative Black&White: Fernsehbeitrag zur Initiative Black&White: http://www.mediathek-hessen.de/medienview_13376_OK-Kassel-Die-Initiative-Black-and-White.html

 

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