Karte von Guinea

Polizei in Guinea eröffnete Feuer auf Demonstranten

17. August 2016
Ein Mensch kam ums Leben – Opposition protestiert gegen Korruption und Misswirtschaft

Conakry – Gei einer Kundgebung von mehreren hunderttausend Regierungsgegnern im westafrikanischen Staat Guinea haben Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet und mindestens einen Menschen getötet. Zwölf weitere seien bei dem Polizeieinsatz verletzt worden, teilte die Regierung in der Nacht auf Mittwoch in der Hauptstadt Conakry mit. Dort hatte die Opposition mit einer Großdemonstration gegen die Regierung mobil gemacht, der sie Korruption und Misswirtschaft vorwirft. Die Opposition sprach von 700.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 500.000.

Nach Angaben von Sicherheitsminister Abdoul Kabele Camara eröffneten die Beamten das Feuer, nachdem es bei der Kundgebung Gewalttätigkeiten gegeben habe. Der Beamte, der die tödlichen Schüsse abgab, sei identifiziert worden und werde befragt, sagte der Minister. Der Bruder des Opfers gab indes an, der 21-Jährige sei lediglich auf dem Balkon seiner Wohnung gesessen, als ihn der tödliche Schuss getroffen habe. „Ich habe den Schuss selbst gehört, hätte mir aber nicht vorstellen können, dass er meinen Bruder traf“, sagte Mamadou Dian Diallo zur Nachrichtenagentur AFP. Mehrere Verletzte Demonstranten Ärzte im Dixinn-Krankenhaus der guineischen Hauptstadt sagten, es würden mehrere verletzte Kundgebungsteilnehmer behandelt. Einer der Verletzten liege im Koma.

Die Demonstranten waren einem Aufruf mehrerer Oppositionsparteien gefolgt, um gegen die Regierung von Präsident Alpha Conde zu protestieren. Sie forderten ein Ende von Korruption und Arbeitslosigkeit und mehr Respekt für demokratische Freiheiten. Oppositionsführer Cellou Dalein Diallo wertete die hohe Teilnehmerzahl als „Absage an Diktatur und Misswirtschaft von Alpha Conde“. Guinea ist trotz reicher Bodenschätze eines der ärmsten Länder der Erde. Die Mehrheit der Bevölkerung in der früheren französischen Kolonie lebt von weniger als einem Euro am Tag. (APA, 17.8.2016) – derstandard.at/2000042937399/Polizei-in-Guinea-eroeffnete-Feuer-auf-Oppositions-Demo

Schüsse auf Demonstranten in Guinea: Dass wir – und vor allem die deutsche Regierung -oft mehr mit solchen Vorgängen in Afrika zu tun haben, als wir denken und aus den Medien erfahren,  wird im Buch Leichen im Keller beschrieben
 
Für seine Recherchen zu den deutschen Verstrickungen in Guinea und der immer weitergehenden Ausbildung verbrecherischer Offiziere bei der Bundeswehr erhielt Frenzel von der Jury des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2011 eine lobende Erwähnung: „Der Beitrag öffnet uns die Augen dafür, dass Menschenrechtsverletzungen in Afrika und andernorts oft mehr mit uns zu tun haben, als wir ahnen.“
Leichen im Keller heißt das Buch, das Markus Frenzel verfasst hat und sich damit befasst, „Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt“ – wie der Untertitel verrät. Ein wichtiges Buch, denn es zeigt eine Seite dieses Rechtsstaates, bei der man sich dreimal fragen muss, wie „so etwas überhaupt sein kann“.
Im zweiten Teil wird aufgezeigt, welche unselige Tradition die Ausbildung ausländischer Soldaten bei der Bundeswehr hat. Am Beispiel des ehemaligen Staatschefs von Guinea, Eugène Camara, zeigt Frenzel auf, wie verhängnisvoll die militärische Kooperation der Bundeswehr mit der Junta in Guinea war. Schockierend bleibt, dass trotz bekannter unbeschreiblicher Zustände in Guinea und dem Blutbad von Conakry diese Kooperation aufrecht erhalten wurde. Für das militärische Austauschprogramm, auf dessen Basis diese Soldaten hierher kommen und ausgebildet werden (und Kontakte knüpfen, auch nicht ganz unwichtig) gibt es kein Auswahlverfahren, wie Frenzel schreibt. Das Auswärtige Amt legt fest, wer kommen darf, das Verteidigungsministerium nickt ab und dann kommen die Soldaten, die der jeweilige Staatschef schickt. Die Diktatoren in Afrika schicken keine Demokraten – davon kann man ausgehen. Trotz vielfacher schlechter Erfahrungen geht man völlig weltfremd im AA davon aus, dass diesen Menschen hier Demokratie nahe gebracht werden kann. Nach der guten Ausbildung hier fahren sie wieder nach Hause und wenden ihr Wissen zum Nachteil der Bevölkerung an. Die beschriebene Massaker und Einschüchterungen erinnern stark an das, was dieser Tage im Jemen und Syrien passiert.

http://joergrupp.de/leichen-im-keller/

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