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Demokratische Impulse – Nachrichtendienst der Demokratischen Werkstatt Wanfried

Wir laden Dich ein mit uns die Welt zu verändern: Wir wollen eine Welt, die die Menschenwürde jedes Menschen weltweit sichert als Basis für Frieden und Gerechtigkeit!

Thomas Pogge von der Yale-Universität in der Nähe von New York kommt am 19. Oktober in die Demokratische Werkstatt Wanfried zu zwei Workshops und einer Veranstaltung: Was tun, um Weltarmut zu überwinden? Aus dem Interview der „Zeit“ mit Thomas Pogge: „Armut, sagt er, sei kein Naturereignis und die Weltgesellschaft kein moralfreier Raum. Denn wer in ihr die Regeln setze, wer über Exportkredite, Rohstoffkauf, Importquoten, Anti-Dumping-Zölle, Subventionen und so weiter entscheide, der entscheide über Leben und Tod.“ Pogge: „Die Armen der Welt haben keine Freunde unter den Mächtigen der Welt!“ Wir bieten einen Workshop für Schüler, Studenten und Lehrer an: Wie Weltarmut zum Thema in Schulen und Universitäten machen? Einen Workshop für bereits in Parteien und Initiativen oder Gewerkschaften Aktive: Wie Weltarmut zum politischen Thema in der deutschen Gesellschaft machen? Und eine Veranstaltung für Interessierte: Täglich sterben 16.000 Kinder unter fünf Jahren 50.000 an Armut – Muss das so sein, oder können wir es ändern?

Thomas Pogge

Thomas Pogge (2014)

Thomas Winfried Menko Pogge (* 1953) ist Professor für Philosophie, insbesondere für politische Philosophie und Ethik.

Leben

Pogge studierte in Hamburg Soziologie und erwarb 1977 sein Diplom mit einer Arbeit über Peirce und Habermas. 1983 promovierte er an der Harvard University bei John Rawls mit einer Arbeit über Kant, Rawls und Globale Gerechtigkeit. Danach war Pogge von 1983 bis 2006 als Assistant/Associate Professor für Philosophie an der Columbia University in New York tätig. Im Jahr 2006 wechselte er in die Abteilung für Politische Wissenschaften an der Columbia University. 2008 nahm er einen Ruf für Philosophie und internationale Angelegenheiten (Philosophy and International Affairs) an der Yale University an.

Pogge ist seit 2004 Professorial Fellow am Centre for Applied Philosophy and Public Ethics der Australian National University in Canberra sowie seit 2007 Research Director am Centre for the Study of Mind in Natureder Universität Oslo. Er ist auswärtiges Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften.

Philosophie

Thomas Pogge spricht in München über Academics Stand Against Poverty(2014)

Pogges Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Ethik und der politischen Philosophie. Er hat zahlreiche Arbeiten zu Kant, Rawls und Fragen der globalen Gerechtigkeit veröffentlicht. Sein Buch „World Poverty and Human Rights“ (dt. „Weltarmut und Menschenrechte“) gehört zu den einflussreichsten und meistdiskutierten Büchern zur globalen Gerechtigkeit. Zentral für Pogges Auffassung von globaler Gerechtigkeit ist sein Verständnis der Menschenrechte als negative Pflichten. Ebendieses Verständnis wird in „Weltarmut und Menschenrechte“ umfassend erläutert und begründet. Charakteristisch für Pogges Arbeit ist die Verklammerung von philosophischer Analyse und Argumentation einerseits und praktischen Reformvorschlägen, die zu mehr Gerechtigkeit führen sollen, andererseits. Einer seiner wichtigsten Reformvorschläge in diesem Sinne ist der Health Impact Fund (HIF)[1], den er gemeinsam mit Aidan Hollis entwickelt hat. Ziel der HIF-Initiative ist die Etablierung eines neuartigen Anreizsystems zur Erforschung und Entwicklung von Medikamenten, das weltweit zu einer besseren und gerechteren Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten führen soll.

Zur Bekämpfung der globalen Armut schlägt Pogge u. a. das System einer globalen Rohstoffdividende vor.[2]

https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Pogge

Pogge, Thomas: Weltarmut und Menschenrechte.

Kosmopolitische Verantwortung und Reformen.

Berlin: De Gruyter 2011. 389 S. Br. 29,95.

Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde leben in extremer Armut. Armutsbedingt sterben 50 000 Menschen am Tag – fast die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren. Thomas Pogge behauptet, die Menschen in den reichen Ländern könnten dieses Problem lösen, ohne ihr eigenes Leben nennenswert einzuschränken. Menschen in reichen Ländern müssten auf weniger als ein Vierzigstel ihrer Konsumausgaben verzichten, „um alle Menschen aus schwerer Armut zu befreien“ (2 f.). Pogge spricht seine Leser, die er in den reichen westlichen Ländern vermutet, ausdrücklich mit „wir“ und „uns“ an (311, Anm. 13): „Wir“ könnten die Armut auf der Welt abschaffen, und es würde „uns“ kaum etwas kosten.

Ausdrücklich weist Pogge die „Vergeblichkeitsthese“ (9) zurück, nach der bisherige Erfahrungen mit der Entwicklungshilfe zeigen würden, dass Bemühungen nicht erfolgversprechend wären. Die meisten Hilfsgelder, die bisher als Entwicklungshilfe verbucht werden, stellten tatsächlich Exporthilfen dar oder strategische Zahlungen an lokale Eliten (vgl. 10). Es irritiert ihn, dass die Menschen in den reichen westlichen Ländern die Armut „nicht wenigstens moralisch beunruhigend“ finden (4).

Thomas Pogge zählt zu den renommiertesten Philosophen auf dem Gebiet der glo balen Gerechtigkeit. Er ist Deutscher, lehrt aber schon seit Langem in den USA, zurzeit als Professor an der Yale University. Sein Buch „Weltarmut und Menschenrechte“ gilt als sein Hauptwerk und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Für die deutsche Ausgabe wurde die zweite englische Auflage von 2008 aktualisiert.

Dass es uns möglich ist, die Armut abzuschaffen, ist die faktische Seite. Aber sind wir dazu auch moralisch verpflichtet, fragt Pogge. Einen Menschen aktiv zu töten, ist ein schweres Verbrechen, auch wenn das Opfer am anderen Ende der Welt wohnt. Eine Pflicht – durch Spenden etwa -, jedes Leben zu retten, das man retten könnte, ist aber umstritten. Moralisches Fehlverhalten wäre eindeutig, wenn man zeigen könnte, dass wir nicht nur unterlassen, den Hungernden zu helfen, sondern dass wir ihr Elend durch aktives Tun herbeiführen (18).

Pogge behauptet genau dies – mit beachtlichen Argumenten: Die Regierungen der reichen Länder verkaufen den Diktatoren der Dritten Welt Waffen, mit denen diese ihre Bevölkerung unterdrücken (36). Wir betrachten Machthaber, die in keiner Weise demokratisch legitimiert sind, als befugt, Bodenschätze zu verkaufen (36, 180). Im innerstaatlichen Bereich käme niemand auf die Idee, jemanden als Eigentümer zu betrachten, der geraubte Gegenstände kauft – wir würden das Hehlerei nennen -, international sehen wir das Problem plötzlich nicht mehr. Anders als in der Kolonialzeit bezahlen die reichen Länder die Rohstoffe – aber sie zahlen nicht an die Bürger, sondern an deren Unterdrücker (180). Laut Pogge haben sich die Reichen hier ein bequemes Arrangement geschaffen: Sie bekommen billig die Rohstoffe, die sie brauchen, lehnen aber jede Verantwortung für die von ihnen mitgeschaffenen Zustände in den armen Ländern ab. Jeder noch so brutale Unterdrücker wird als legitimiert angesehen, für sein Land Verträge abzuschließen und Kredite aufzunehmen (vgl. 36, 145). Dadurch, dass die Rohstoffimporteure jeden, der faktisch die Macht in der Hand hält, als Eigentümer der Rohstoffe eines Landes akzeptieren, werden Putsche erst lukrativ. Es sind diese Regeln, die demokratische Strukturen verhindern (vgl. 186-210).

Wenn – etwa im Rahmen der WTO – die Regeln des Welthandels verhandelt werden, setzen „unsere Repräsentanten“ (33) ihre Interessen ohne Rücksicht auf die Verluste der armen Länder durch. Die reichen Länder zwingen die armen Länder zu einer Öffnung ihrer Märkte, die sie ihnen im Gegenzug verwehren (vgl. 23-28). Aus Pogges Sicht versäumen wir nicht nur, Menschen das Leben zu retten, sondern wir töten sie. Pogges Argumentation birgt ein großes Problem: Er könnte recht haben.

Johannes Much

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=3719870

Weltarmut und Menschenrechte – Essay

6.2.2015

Trotz eines hohen und wachsenden globalen Durchschnittseinkommens leben nach wie vor sehr viele Menschen in extremer Armut. Bei einer Weltbevölkerung von gegenwärtig rund 7,25 Milliarden Menschen sind nach offiziellen Angaben 805 Millionen Menschen unterernährt,[1]haben mehr als eine Milliarde keine geeignete Unterkunft,[2] etwa 748 Millionen kein sauberes Trinkwasser,[3] rund 1,8 Milliarden keine ausreichenden sanitären Einrichtungen[4] und 1,2 Milliarden keinen elektrischen Strom.[5] Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen verlässlichen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten[6] und 781 Millionen Menschen über 14 Jahre sind Analphabeten.[7] 168 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren leisten Lohnarbeit, oft unter sklavenähnlichen und gefährlichen Bedingungen: als Soldaten, Prostituierte oder Haushaltshilfen, in der Landwirtschaft, im Bauwesen oder in der Textil- und Teppichwirtschaft.[8] Mindestens ein Drittel aller menschlichen Todesfälle, 18 Millionen pro Jahr, geht auf armutsbedingte Ursachen zurück.[9] Das summiert sich auf etwa 450 Millionen vorzeitige Todesfälle seit Ende des Kalten Krieges – viel mehr in 25 Jahren, als durch staatliche Gewalteinwirkung im 20. Jahrhundert ums Leben kamen.

Dieses Problem ist nicht unlösbar – trotz seiner Dimension. Die ärmere Hälfte der Menschheit verfügt über nur 3,3 Prozent des globalen Haushaltseinkommens[10] und könnte, wenn es nur fünf oder sechs Prozent wären, von allen schwerwiegenden Entbehrungen befreit sein. Noch dramatischere Ungleichheiten existieren in der Verteilung von Vermögen: Das Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschheit entspricht jenem der reichsten 66 Milliardäre.[11] Es ist offensichtlich, dass gravierende Armut heute vermeidbar ist.
weiter: http://www.bpb.de/apuz/200376/weltarmut-und-menschenrechte?p=all

Wer denkt für morgen?:
Der Weltverändererdenker

Der Philosoph Thomas Pogge eint: Man muss sich mit Armut und Hunger nicht abfinden. Das Elend ist ungerecht. Man kann es aus der Welt schaffen

Wer in der Connecticut Hall einen Nagel in die Wand schlägt, dem klopfen die Denkmalschützer auf die Finger. Das dreigeschossige Gebäude aus dem Jahr 1752 ist das älteste Haus in New Haven und sieht aus wie eine Trutzburg gegen die Wirren des Weltlaufs. Früher lehrten die Theologen hier, heute tun es die Philosophen. Die Connecticut Hall auf dem Campus der Yale-Universität ist ein Kloster der Vernunft, sie ist Weltnische und Elfenbeinturm. Die Reiseführer flüstern, in ihr habe die Liebe zur Weisheit ihren Sitz, schöner noch: die Metaphysik.

»Massenmord«, sagt Thomas Pogge, die Weltordnung sei eine Form von Massenmord. 50000 Menschen stürben täglich an armutsbedingten Krankheiten; 300 Millionen Armutstote habe es seit dem Ende des Kalten Krieges gegeben. »Wir, die Bürger in den reichen Ländern, sind an diesem Verbrechen mitschuldig.«

mehr: http://www.zeit.de/2009/18/PD-Thomas-Pogge/komplettansicht

Videobeiträge:

In Englisch: https://www.youtube.com/watch?v=GP7wHi3nOEg

Veranstaltung für Schüler, Studenten und Lehrer: 9-12 Uhr: Wie Weltarmut und die Möglichkeit ihrer Beseitigung zum Thema in Schulen und Universitäten machen?
Veranstaltung für bereits Aktive: 14-17 Uhr: Wie Weltarmut und die Möglichkeiten sie zu beseitigen zum politischen Thema in der deutschen Gesellschaft machen?
Öffentliche Veranstaltung für Interessierte: Täglich sterben 50.000 Menschen an Armut – Muss das so sein, oder können wir es ändern?

Ort: Demokratische Werkstatt Wanfried, 37281 Wanfried, Bahnhofstr. 15
Schlafmöglicheiten sind vorhanden

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