In Colin Powells E-Mails stecken brisante Details zu Israels Atomwaffen.In Colin Powells E-Mails stecken brisante Details zu Israels Atomwaffen.(Foto: Reuters)
Freitag, 16. September 2016

„Alle auf Teheran gerichtet“Powell: Israel hat 200 Atomsprengköpfe

Offiziell gibt es in Israel kein Atomwaffenprogramm. Der ehemalige Außenminister der USA, Colin Powell, spricht in nun von Hackern veröffentlichten Mails über israelische Atomwaffen. Das ist in doppelter Hinsicht erstaunlich.

Der ehemalige Sicherheitsberater und Außenminister der USA, Colin Powell, behauptet, Israel verfüge über 200 Atomwaffen. Das schrieb er im Jahr 2015 in einer E-Mail an den Spender der Demokratischen Partei, Jeffrey Leeds. Hacker hatten zahlreiche E-Mails Powells abgefangen und veröffentlicht. Powell hat die Echtheit des Leaks bereits eingeräumt.

Powell schreibt in der E-Mail weiter, dass er daran zweifle, dass der Iran – selbst wenn er in den Besitz kommen könnte – Atomwaffen einsetzen würde, denn „die Jungs in Teheran wissen, dass Israel 200 hat, alle auf Teheran gerichtet und wir haben Tausende“, schrieb er an Leeds. Die Korrespondenz ist datiert auf den 3. März 2015. Kurz zuvor hatte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu eine Rede vor dem US-Kongress gehalten und vor dem Zustandekommen eines Atom-Deals mit dem Iran und der daraus resultierenden möglichen Gefahr für Israel gewarnt.

Die Behauptung eines hochrangigen US-Politikers, Israel habe Atomwaffen, ist bemerkenswert. Israel streitet seit Jahrzehnten konsequent die Existenz eines Atomwaffenprogramms ab. 1985 machte der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu öffentlich, dass Israel Atomwaffen baue und veröffentlichte Details zum Kernforschungszentrum Negev. Auch ist die Zahl von 200 Sprengköpfen, die Powell nennt, bedeutsam. Auch wenn Israel bis heute nicht offiziell zum Kreis der Atommächte gerechnet wird, gingen Experten bisher meistens von weniger als 200 israelischen Sprengköpfen aus. Vanunu wurde für seine Behauptungen wegen Landesverrats zu 18 Jahren Haft verurteilt, behauptete nach seiner Entlassung jedoch erneut, Israel baue auch Wasserstoff- und Neutronenbomben.

Netanjahu wählte damals drastische Worte vor dem US-Kongress um die USA doch noch davon abzuhalten, sich auf den Deal mit Teheran einzulassen. Powell zeigt in seinen E-Mails teilweise Verständnis für Netanjahus Sorge. Denn falls es der Iran tatsächlich darauf abgesehen hätte, eine Atombombe zu bauen, dann würde es aufgrund des übermächtigen Arsenals Israels eben nicht nur bei einer Bombe bleiben. Dann zitiert er den ehemaligen iranischen Staatschef Ahmadinedschad mit den Worten: „Was sollen wir denn mit einer? Sie polieren?“

Zuvor war durch die geleakten E-Mails bereits Powells Meinung zu den Präsidentschaftsbewerbern Donald Trump und Hillary Clinton öffentlich geworden. Powell bezeichnete Trump in den Mails als „nationale Schande“. Er spreche die schlimmsten Seiten der Republikaner und der weißen Mittelschicht an. Clinton kritisierte er für ihren Umgang mit der E-Mail-Affäre. „Alles was (Clinton) anfasst, macht sie mit ihrer Überheblichkeit kaputt“, schrieb Powell. Sie habe es versäumt, die Vorwürfe rechtzeitig aus der Welt zu räumen. Die Demokratin hatte in ihrer Zeit als Außenministerin vorschriftswidrig einen privaten E-Mail-Server für ihre Kommunikation benutzt.

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